Was ist Sustainable Finance?

Erstmal eine Zusammensetzung aus zwei englischen Wörtern.
Sustainable (nachhaltiges) und Finance (Finanzwesen). Also nachhaltiges Finanzwesen?

Was ist überhaupt Finanzwesen? Mir ist aufgefallen, dass hier im allgemeinen Sprachgebrauch keine Eindeutigkeit besteht. Für manche sind das die Banken, für die anderen die Buchhaltung, manche sehen es als Überbegriff für alle kaufmännische Aktionen.
Daher an dieser Stelle meine Begriffsdefintion.

Zum (betrieblichen) Finanzwesen gehören aus meiner Sicht:

Buchhaltung
Die Buchführung dient dazu den Erfolg eines Unternehmens in einer Periode zu ermitteln und Dritten gegenüber darzustellen. Alle Geschäftsvorfälle eines Betriebs werden dokumentiert. Dabei müssen zahlreiche gesetzliche Bestimmungen beachtet werden (HGB, UStG, EstG usw.). Eine funktionierende Buchhaltung ist die Basis für ein aussagekräftiges Controlling.

Treasury
Beim Treasury dreht sich alles um Zahlungsströme. Vereinfacht gesagt ist das Treasury dafür da, die Ein- und Ausgänge von Bankkonten zu sichern und zu planen. Kreditlinien werden verhandelt und Währungsrisiken abgesichert.

Controlling
Der Controller ist der Lotse im Unternehmen. Er soll dafür sorgen, dass das Unternehmens-Schiff auf Kurs bleibt. Kapitän ist der Geschäftsführer bzw. der jeweilige Manager. Der Controller weist auf Risiken hin und beschäftigt sich mit Planungsrechnungen und Simulationen. Er ist auf die Zahlen der Buchhaltung angewiesen und kann diese interpretieren. Er bereitet Investitionsentscheidungen vor und ermittelt die Produktkosten. Der Controller ist der betriebswirtschaftliche Begleiter der Manager.

Bei vielen Unternehmen geht das Treasury in Buchhaltung und Controlling auf und es existiert keine extra Abteilung. Der planerische Part wird dann vom Controlling übernommen und die operativen Tätigkeiten von der Buchhaltung.

Meiner Überzeugung nach gehören alle Finanzabteilungen zusammen. Die Tendenz die Buchhaltung ins Ausland zu verlegen, mag vielleicht auf den ersten Blick eine Kostenersparnis an Gehältern bringen. Diese wird aber schnell durch Abstimmungs- und Verwaltungsaufwand aufgefressen. Zielführender ist es aus meiner Sicht die Prozesse schlank zu gestalten und so weit wie möglich zu automatisieren.

Und was ist nun nachhaltiges Finanzwesen?

1. Finanzwesen in einem nachhaltigen Wirtschaftssystem

Unter Nachhaltigkeit verstehen wir die Schnittmenge zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialen Faktoren. Das Finanzwesen ist in allen drei Gebieten aktiv und liefert einen Beitrag. Bei einigen großen Unternehmen besteht bereits heute die Pflicht einen Nachhaltigkeitsbericht zusätzlich zur Bilanz zu erstellen. Die Höhe des Gewinns sagt nichts darüber aus, wie nachhaltig ein Unternehmen ist. Streben nach ständigem Wachstum und Gewinnmaximierung hat uns in eine schwierige Situation gebracht.  Heute gibt es viele Ideen, wie wir unter Beachtung der Endlichkeit der Ressourcen und dem sozialen Miteinander weiter wirtschaften wollen. Als Beispiel möchte ich hier nur die GWÖ und die Donut Ökonomie nennen.
Ein sehr gutes Beispiel für eine nachhaltige Unternehmenskultur ist der Sportausrüster VAUDE.
Das Thema Nachhaltigkeitscontrolling wurde sehr gut von Prof. Dr. Ulrich Seiler in seinem gleichlautenden Buch beschrieben.

2. Finanzwesen in einem Unternehmen, das in einem Sektor der Nachhaltigkeit tätig ist

Klimaerwärmung, Naturkatastrophen, Plastikmüll, globale soziale Ungerechtigkeit usw. sind in aller Munde. Der Ruf nach einer enkelgerechten Wirtschaft wird immer lauter. Immer mehr Menschen sind der Meinung, dass wir das Wachstumsprinzip nicht länger verfolgen dürfen. Daher werden immer mehr Unternehmen gegründet, die zu Nachhaltigkeitsaspekten ihren Beitrag leisten. Unternehmen die früher als „Ökos“ belächelt wurden, werden heute salonfähig. Auch die Landwirtschaft sucht nach Alternativkonzepten. Alle diese Unternehmen benötigen ein Finanzwesen.
Ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit dem Geschäftsführer von RECUP. Ein wunderbares Beispiel eines Start-ups, dass dem Plastikmüll den Kampf angesagt hat.

3. Ein Finanzwesen das nachhaltig ist

Managementreporte, die man verstehen kann. So komplex wie nötig, aber so einfach wie möglich. Managementberichte müssen einfach und lesbar sein und über Kontinuität verfügen. Das Tun des Finanzwesens soll dokumentiert und transparent sein. Die verwendeten Kennzahlen sollen aussagekräftig und auf das Unternehmensziel ausgerichtet sein. Weniger ist hierbei mehr. Stabile Prozesse in der Buchhaltung, Automatisierung von wiederkehrenden Aufgaben, ein zielgerichtetes Reporting und die Umsetzung von gesetzlichen Anforderungen sind dabei der Fokus. Das alles verstehe ich unter einem Finanzwesen das nachhaltig ist.

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